1993 wurde in Leipzig der bundesweit erste Universitätslehrstuhl für PR eingerichtet. Bis heute ist Leipzig die einzige Universität Deutschlands mit einem eigenen Studiengang für Public Relations und Kommunikationsmanagement.
Der LPRS wurde von PR-Studenten der Universität Leipzig gegründet. Er bietet eine Vielzahl zusätzlicher Veranstaltungen zu Themen der Kommunikation an, schafft Grundlagen für den Austausch von Wissen, baut gezielt Kontakte auf und unterhält Netzwerke zu Studenten anderer Hochschulen, Alumni, Wissenschaftlern, Agenturen und Unternehmen. - Und das europaweit.
"Mehr wissen, mehr kennen, mehr können.", Das ist nicht nur der Claim des LPRS, sondern auch der Anspruch seiner Mitglieder.

Die nächste Mitgliederversammlung findet am 10.01.2012 um 19 Uhr im Raum 201 NSG statt.
LPRS>>Newsletter
Hier online für den neuen LPRS>>Newsletter anmelden!

Bei uns muss inzwischen jeder, der fragt ‚Wie war das denn bei Obama?’, einen Euro in die Kasse stecken“, eröffnete Dietrich Boelter die Veranstaltung, „wir können diese Vergleiche und Verweise alle kaum noch hören“. Dass sich der Geschäftsführer der A&B-Onlineagentur FACE2NET und der Berater Julius van de Laar in ihrem Alumni-Panel trotzdem damit beschäftigen, sollte deshalb auch eher die Frage beantworten, ob die Erwartungen, die die Obama-Kampagne geweckt hat, in Deutschland überhaupt realistisch seien. Die deutschen Parteien hätten sich alle die Tools, die Obama eingesetzt hatte, angeschaut und nach ihren Möglichkeiten auch gut umgesetzt. Allein die Beteiligung laufe bisher eher schleppend.
„Klar“, sagte van de Laar, „Obama ist zum politischen Popstar des Web 2.0 geworden.“ Der A&B-Berater muss es wissen, er hat selbst zwei Jahre in Obamas Campaigning-Team gearbeitet. „Aber gewonnen wurde die Wahl nicht im Internet.“ Vielmehr habe man das Internet vor allem dazu benutzt, eine Plattform für Menschen zu bilden, die sich so organisieren und engagieren konnten, um im „realen Leben“ mit anderen ins Gespräch zu kommen, was den eigentlichen Überzeugungseffekt gebracht habe. Daneben seien Obamas Botschaften so griffig und eingängig gewesen, dass man sie in allen verfügbaren Kanälen, also auch in 140 Zeichen einer Twitterbotschaft, einsetzen konnte.
In Deutschland fehle zu diesem Modell aber die Bereitschaft der Menschen, sich zu engagieren. Ganz grundsätzlich sei zum Beispiel die politische Blogosphäre in Deutschland im Vergleich wenig ausgeprägt. Zudem böten acht Jahre Bush, gravierende Folgen der Wirtschaftskrise und im Vergleich zu Deutschland viel größere soziale Probleme in den USA eine ganz andere Ausgangsbasis. Noch gäbe es in Deutschland auch keine wahrhaft kontroversen Themen, die die Leute aufregen und damit motivieren könnten, sich online zu beteiligen und zu organisieren. „Das kann aber noch kommen“, prognostizierte Boelter.
Eine Sichtweise, die für viele Teilnehmer besonders erhellend war, betraf den „Digital Divide“, der in Deutschland sehr ausgeprägt sei, wie Boelter und van de Laar konstatierten. Dieser zeige sich darin, dass eine Generation von Menschen entstehe, die „Digital Natives“, die mit dem Internet aufgewachsen seien, die eine andere Arbeitskultur, eine andere Mentalität hätten. Zugespitzt formuliert, wolle sich diese Gruppe nicht mehr mit alten Politikern identifizieren, die sich E-Mails noch von ihren Sekretärinnen ausdrucken lassen. Identifikation erfolge über punktuelle Themen, nicht aber über Parteiprogramme. Ein Problem identifizierte Boelter auch bei den Medien. „Die politischen Journalisten verstehen nichts vom Online-Wahlkampf oder der Onlinekultur der Digital Natives allgemein“, erklärte Boelter, „viele Fachjournalisten und die Blogger interessieren sich andererseits nur peripher für Politik.“ So werde auch nicht angemessen berichtet über die politische Online-Welt.
Nach dem Vortrag der beiden A&B-Berater entwickelte sich schnell eine lebhafte Diskussion, die sich vor allem mit den aktiven Digital Natives beschäftige. Sind sie tatsächlich so zahlreich? Nicht so sehr, meint Boelter, aber eben avantgardistisch und meinungsprägend, stimmt eine Alumna bei. Es wurde eingeworfen, dass mehr direkte Demokratie, mehr Themenspezialisierung nach dem Modell von NGOs sinnvoll wären, um die Internetgeneration zu engagieren. Jedenfalls seien Social Networks ein „Frühwarnsystem für das, was gesellschaftlich noch kommen wird“, schloss Boelter die offizielle Diskussion, die sich beim Mittagessen aber noch lebhaft fortsetzte.
Sina Pries