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WISSENschafftPRAXIS: Wie lang ist die Leine? Public Affairs im Bankenwesen
Datum: 09.12.2009
Referent: Heiner Herkenhoff (Leiter Public Affairs, Commerzbank AG)
Ort: Neues Seminargebäude, Raum 202
Uhrzeit:
19:00 Uhr
„Manipulieren? Das können Sie einmal machen, dann sind sie raus. Sie müssen mit Argumenten überzeugen – nicht mit Geld!“, räumt Heiner Herkenhoff, Leiter des Bereiches Public Affairs der Commerzbank, am 9. Dezember bei WISSENschafftPRAXIS mit dem gängigen Vorurteil über Lobbyisten auf. Transparenz sei das zentrale Gebot: nicht nur aus moralischer Sicht, sondern eben auch weil sonst schlicht nichts zu erreichen sei. Lobbyisten seien nicht automatisch „düstere Interessenvertreter, die Politiker hinters Licht führten, sondern Player, die verfassungsrechtlich legitimiert Interessen aus der Praxis einbringen“.
Der Lobbyist Herkenhoff ist ausgewiesener Kenner des politischen Systems, des Bankenwesens und der PR – als ehemaliges langjähriges Mitglied der Geschäftsführung des Bundesverbandes deutscher Banken und in verschiedenen Positionen in der Politik, unter anderem von 1994 bis 1998 als Büroleiter des damaligen Bundeskanzlers Helmut Kohl. Es sind die Kontakte aus dieser Zeit, die ihm jetzt helfen, „dauerhaft belastbare Beziehungen“ aufzubauen: Sind doch Spitzenpolitiker wie Roland Koch Bekannte seit Jahren. Sein Netzwerk sei sein Kapital. Hierdurch gelinge es ihm bereits frühzeitig, Einfluss auf den politischen Prozess zu nehmen. „Wenn das Gesetz erst im Bundestag beraten wird, ist es zu spät“, weiß der Commerzbank-Mann.
Mit umfassenden Informationen steht er Ministerialbeamten und Abgeordneten zur Seite. Der Bedarf an dieser Hilfe aus der Praxis wachse aufgrund von zunehmender Komplexität der Themen und ihrer Globalisierung rasant. Insbesondere nach der Finanzkrise im Kontext der politischen Regulierungsversuche sei es wichtig, konkrete Konsequenzen für das Bankwesen darzulegen. Im Kern seien sie häufig sinnvoll, könnten aber Nebenwirkungen nach sich ziehen, die ein einzelner Politiker oder Beamter schlecht überschauen könne. Den Vorwurf der Einseitigkeit dieser Informationen ließ er nicht aufkommen: „Politiker greifen gerne auf Informationen von Interessenvertretern zurück. Ich bin dabei aber einer von vielen“, beschrieb Herkenhoff den Informationsprozess, „Politiker hören auch konträre Interessen und bilden sich dann ihre Meinung.“
Public-Affairs-Agenturen oder spezialisierte Anwaltskanzleien, deren Zahl nach dem Regierungsumzug von Bonn nach Berlin stark zugenommen habe, ließen aber häufiger etwas Transparenz und Ausgewogenheit vermissen. Die Lobbylandschaft sei seit damals unübersichtlicher geworden. Einige dieser Agenturen und Kanzleien seien in „doppelter Mission“ für Auftraggeber aus der Wirtschaft und die Regierung unterwegs, kritisierte Herkenhoff gegenüber den Leipziger Studenten die problematische Interessenkollision.
Insgesamt beobachtet der Public-Affairs-Fachmann eine zunehmende Professionalisierung der Branche, was unter anderem Studiengängen wie denen in Leipzig zu verdanken sei. Den etwa fünfzig Zuhörern rief Herkenhoff am Ende seiner Ausführungen mit einem Schmunzeln zu: „Dass Lobbyismus notwendig ist, werden Sie wohl nicht bezweifeln, sonst würden Sie ihr Fach ja nicht studieren!“
von Felix Krebber
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