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LPRS>>PR Salon: Toni Lösch
Datum: 22.01.2010
Referent: Toni Lösch (Leiter Unternehmenskommunikation, Siemens Deutschland)
Ort: Villa Ida
Uhrzeit:
19:00 Uhr
„Eigentlich bin ich Ingenieur und gehe die Kommunikation auch ingenieursmäßig an“, antwortete Toni Lösch am 22. Januar als Gast des LPRS>>PR-Salons auf die Frage nach seinem Selbstverständnis als Leiter der Unternehmenskommunikation von Siemens Deutschland. Lösch studierte Physik und begann seine berufliche Karriere als Entwicklungsingenieur für verschiedene Luft- und Raumfahrtprojekte. „Vielleicht ist das auch mein Vorteil in einem Großkonzern wie Siemens“, ergänzte er.
Von der Raumfahrt über den Basketball zu Siemens
In seine jetzige Position gelangte Lösch über Umwege in der Vertriebsunterstützung und dem Marketing bei Siemens und zuvor beim Weltbasketballverband FIBA und dem IT-Unternehmen Digital Equipment. Eigentlich hatte Toni Lösch gar nichts mit Basketball zu tun. Die zwei Jahre, die er beim Verband FIBA arbeitete, betrachtete er eher als Auszeit aus der Technikbranche, vor allem „um sich selbst gegenüber glaubwürdig zu sein.“ Er habe nicht sofort bei einem ehemaligen Wettbewerber als Kommunikator arbeiten wollen.
Korruptionsaffäre als „Quantensprung“ für die Kommunikation
Als die prägendste berufliche Erfahrung seiner Karriere beschrieb der studierte Physiker ohne zu zögern die Korruptionsaffäre, in die sein Arbeitgeber Siemens in den Jahren 2006/2007 verwickelt war. Siemens stand in diesen Jahren nicht nur wegen Schmiergeldzahlungen, sondern unter anderem auch wegen des Verkaufs der Handysparte an Benq sowie wegen Erhöhungen der Managergehälter in der öffentlichen Kritik. In dieser Zeit „machte die Kommunikation bei Siemens einen Quantensprung“, so Lösch.
Zuvor wurde ihm von seinem kaufmännischen Leiter immer geraten „jeden Euro vor dem Ausgeben umzudrehen“. Die Krise wertete die Kommunikationsabteilung vorübergehend stark auf, die Kommunikatoren des Unternehmens standen nun im Mittelpunkt. Gleichzeitig verwies der Leiter Unternehmenskommunikation im Gespräch allerdings auch darauf, dass man trotz funktionierender Prozesse bei Siemens und Krisenplänen in der Schublade einen derartigen „öffentlichen Schlagabtausch“ in den Medien nicht steuern könne, es gebe „kein Patentrezept, da müsse man durch“. Erstaunlich war in diesem Zusammenhang der Hinweis Löschs, dass bei den Kunden während der Krise kein Vertrauensverlust stattgefunden habe, vielmehr dass diese dem Unternehmen teils sogar mit tröstenden Worten beistanden.
Thema Compliance wird bei Siemens nun großgeschrieben
Vor allem als Folge der Korruptionsaffäre legt Siemens heute großen Wert auf Compliance, also das Einhalten von Gesetzen und innerbetrieblichen Richtlinien wie zum Beispiel einer Null-Toleranz-Politik gegenüber Korruption. Heute gehört das korrekte Verhalten zum Tagesgeschäft im Groß-Unternehmen. Dem Leiter Unternehmenskommunikation zufolge ist Compliance dabei als juristisches und kommunikatives Thema zu begreifen, das zum Differenzierungsfaktor für Siemens ausgebaut werden konnte – was auch durch die Stellung als Global Player und die gute wirtschaftliche Situation des Unternehmens erleichtert wurde.
Und in Zukunft?
Zukünftige Herausforderungen sieht Lösch wenig – er habe bei Siemens nun schon so viele tiefgreifende Krisen gemeistert, dass ihn jetzt nur noch wenig mehr überraschen könne. Er möchte sich darauf konzentrieren, sein Tagesgeschäft zu perfektionieren. Und weiter gegen das teils noch anzutreffende Bild von Kommunikation als reinem Kostenfaktor anzukämpfen.
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