“Ich bin eine Gestalterin”

Das sagt Sandra Suppa, Head of Corporate Communications bei Faber-Castell, über sich selbst und es wird auch binnen weniger Minuten in einem Gespräch mit ihr deutlich. Sandra ist eine erfahrene Kommunikatorin, die sich gerne auf Neues einlässt und Freude daran findet, Dinge in ihrem Berufsalltag anders zu gestalten und besser zu machen. Seit über 26 Jahren ist sie Teil des Unternehmens Faber-Castell, das vor allem für seine hochwertigen Schreibwaren bekannt ist. In einem Gespräch hat sie mit uns geteilt, welche Rolle Kommunikation insbesondere in Zeiten der Transformation spielt und worin sie die wahre Kunst einer Kommunikatorin sieht.

Kommunikation als Gestaltungskraft

Für Sandra Suppa ist Kommunikation im Unternehmen weit mehr als reine Informationsvermittlung. Sie ist eine zentrale Funktion, die eine Beratungsrolle einnimmt. Um in dieser Rolle erfolgreich und wirksam zu sein, müssen sich Kommunikationsverantwortliche ihren Platz am Tisch, an dem die Entscheidungen getroffen werden, erarbeiten. Wenn nötig auch immer wieder aufs Neue.

Ihre eigene Rolle beschreibt Sandra nicht in Funktionsbegriffen, sondern in Beziehungen: Sie sieht sich als Vertrauensperson, Sparringspartnerin, Ideengeberin oder Mitentscheiderin. Dabei bedeutet Kommunikation für sie, nah an den Themen und vor allem an den Menschen zu sein. Denn genau darin liegt auch ihr Anspruch: gehört zu werden und das nicht aufgrund der Lautstärke, sondern wegen der Relevanz. Der Leitgedanke “nichts sagen, was keinen Mehrwert hat” zieht sich durch ihre gesamte Arbeit, in der leere Floskeln oder Euphemismen keinen Platz haben. Stattdessen legt sie Wert auf Klarheit, Ehrlichkeit und Substanz. Auch – oder gerade – wenn es unbequem wird.

Denn Sandra ist davon überzeugt, dass Menschen mehr aushalten, als man ihnen zutraut. Sie wollen verstehen, was passiert und merken auch schnell, wenn Kommunikation ausweicht, anstatt etwas zu erklären. Vielleicht ist es auch genau diese Haltung, die besonders in Zeiten der Transformation entscheidend ist. Denn Veränderung lässt sich nicht einfach verkünden.

Transformation als Dauer

Der Tod von Anton-Wolfgang Graf von Faber-Castell im Jahr 2016 stellte für Faber-Castell einen tiefen Einschnitt dar, der einen weitreichenden Wandel auslöste. Die Ära, in der das Traditionsunternehmen von einem Mitglied der Familie Faber-Castell geführt wurde, ging zu Ende. Seither wird das Unternehmen von einem Management Board geführt, mit den Nachkommen des verstorbenen Firmenchefs Anton-Wolfgang Graf von Faber-Castell als Hauptgesellschafter:innen. Dieser Wechsel war nicht nur ein emotionaler Moment, sondern setzte auch strukturell einiges in Bewegung.

Sandras Erzählungen aus dieser Zeit verdeutlichen, dass Transformation nicht planbar ist, auch wenn es solche eindeutigen Wendepunkte gibt. Es ist eher das Gegenteil der Fall, denn Transformation ist kein Projekt, das sich irgendwann abschließen oder vollständig kontrollieren lässt. Vielmehr ist Transformation ein Zustand, in dem ständig unerwartete Dinge passieren, was dazu führt, dass es selten wirklich rund läuft und Strategien immer wieder angepasst werden müssen.

Aber genau dabei zeigt sich auch, was Kommunikation leisten kann oder muss. Denn eine Strategie, die nicht verstanden wird, existiert faktisch nicht. Menschen folgen keiner Powerpoint-Präsentation. Sie folgen Sinn, Orientierung und Personen, denen sie vertrauen. Aus diesem Grund geht es Sandra auch nicht darum, Veränderungen ‘auszurollen’, sondern sie gemeinsam entstehen zu lassen. Das bedeutet: Einbinden statt verordnen, zuhören statt nur senden und überzeugen statt überstülpen.

Zwischen Struktur und Realität

Aber ein solcher Prozess ist anspruchsvoll. Vor allem für ein Unternehmen wie Faber-Castell, das international aufgestellt und dezentral organisiert ist und in dem unterschiedliche Länder, Realitäten und Erwartungen koexistieren. Jedes Wort wird auf die Goldwaage gelegt, hinterfragt und auseinandergenommen. Kommunikation muss hier nicht nur klar sein, sondern vor allem glaubwürdig. Außerdem muss Kommunikation in einem solchen System als Vermittler zwischen Perspektiven, Kulturen und Interessen fungieren. Dazu kommt noch die Herausforderung, wirklich alle Betroffenen zu erreichen. Darunter auch diejenigen, die nicht täglich vor dem Bildschirm sitzen und daher viel schwieriger zu erreichen sind. Es sind vor allem die Blue Collar Mitarbeiter:innen, sagt Sandra, die genau hinschauen und zuhören.

Diese Glaubwürdigkeit entsteht nicht durch einzelne Botschaften, sondern durch Konsistenz und Wiederholung. Dabei ist entscheidend, dass man an den Themen dranbleibt, auch wenn sie vielleicht längst klar und überflüssig erscheinen: “Eine Botschaft, die einmal gesagt wurde, ist noch lange nicht angekommen”.

Gleichzeitig braucht es Struktur. Wer spricht wann, wie und mit wem? Welche Themen gehen zuerst nach innen, welche nach außen? Kommunikation darf kein Zufallsprodukt sein, sondern muss das Ergebnis bewusster Entscheidungen bleiben, welche auch in Ausnahmesituationen standhalten. Das Besondere ist dabei jedoch, dass Kommunikation genau das leisten kann: Auch wenn sie Struktur schafft, bleibt sie immer beweglich und kann an neue Gegebenheiten angepasst werden.

Die Motivation dahinter: Kreativ sein

Dieses Spannungsfeld ist genau das, was Sandra reizt: Struktur und kreative Freiheit zugleich. Denn bei aller strategischer Klarheit scheint auch eines immer durch: ihre Freude am Gestalten.

Sandra beschreibt sich selbst als jemand, der nicht gern in Mustern denkt. Sie mag es, Dinge zu hinterfragen und Neues auszuprobieren. Kreativität ist dabei kein “Nice-to-have”, sondern ein Werkzeug. Eines, das hilft, Denkräume zu öffnen, Barrieren abzubauen und Menschen miteinander zu verbinden. Das kann sich manchmal auch in ganz unerwarteten Formen wie ungewöhnlichen Kommunikationsanlässen oder außergewöhnlichen Formaten (sie hat einen Strategie-Rap kreiert!) zeigen. Die Form selbst ist dabei nicht entscheidend, sondern das, was sie ermöglicht: neue Perspektiven, Assoziationen und somit ein gemeinsam geschaffenes Verständnis.

Eine wichtige Grundlage dafür ist ihr Netzwerk, das sie über Jahre aufgebaut und gepflegt hat, sowohl intern als auch extern. Doch Sandra versteht sich im Kontakt mit anderen trotz ihres Jobtitels nicht als Führungskraft, sondern als Kollegin, die anderen auf Augenhöhe begegnet. Sie beschreibt, dass dies viel verändert: “Menschen teilen viel offener ihre Gedanken mit mir, sie berichten freiwillig an mich und bringen sich gerne ein.” Das zeigt: Kommunikation entsteht nicht top-down, sondern im Austausch.

Und das ist gerade in sensiblen Situationen unbezahlbar, denn viele Themen, mit denen sie arbeitet, sind vertraulich, komplex und erfordern Fingerspitzengefühl. Kommunikation bedeutet hier auch, Verantwortung zu tragen, für Inhalte, Menschen und Vertrauen.

Was wir von Sandra lernen können

Schlussendlich ist es dieses Vertrauen, das Kommunikation auch wertschöpfend macht. Ohne Anerkennung bleibt ihre Rolle wirkungslos. Mit ihr wird sie zum entscheidenden Faktor, besonders in Zeiten der Unsicherheit und des Wandels.

Man kann einiges von Sandras Ansichten lernen: Kommunikation ist mehr als das Verbreiten von Informationen. Sie schafft Räume, in denen Veränderung möglich wird. Sie verbindet Menschen, gibt Orientierung und prägt Entscheidungen mit.

Ein Satz bleibt aber besonders hängen. Nicht, weil er gut klingt, sondern weil sie ihn lebt: “Ich bin eine Gestalterin”.

Danke Sandra, für das offene Gespräch und deine inspirierenden Ansichten!

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